Flat Coated Retriever Zucht in Stormarn

Therapiebegleithund - Nora

Vom Juli 2018 bis November 2019 haben wir die Ausbildung zum Therapiebegleithund in der Akademie für tiergestützte Therapie in Kiel mit Ableger in Bad Schwartau absolviert. Nora  begleitet mich und unterstützt mich bei meiner Arbeit.

Ich bin verantwortlich für Bewohner, Angehörige und/oder Betreuer und Mitarbeiter. Wenn es irgendwie geht ist Nora immer dabei. Bei Einzel- oder Gruppengesprächen, bei den Visiten, bei Fortbildungen für die Mitarbeiter, bei der Aufnahme neuer Bewohner. Sie ist immer dabei, auch wenn ich „nur“ durch das Haus gehe.

Wir mussten bei der Prüfung ca. 20 unterschiedliche Übungen können. Einzelne Übungsteile hatten weitere Unteraufgaben (siehe unten). Das fängt bei der Leinenführigkeit an und hört bei Übungen auf, die mir zu Beginn der Ausbildung sehr viel Kopfzerbrechen gemacht haben. 
Beispiele:

  • Futter auf den Boden schmeißen und Nora ein „Nein“ geben.
  • Futter hinhalten, nichts sagen und sie erst das Futter nehmen lassen, wenn sie nichts mehr fordert.
  • Nora ins Platz bringen und über sie Gegenstände werfen.
  • Einen Gegenstand schmeißen, Nora schicken und stoppen lassen. Erst dann weiterlaufen lassen oder sie zurückzuholen ohne den Gegenstand.
  • Eine sehr schwierige Prüfungsaufgabe: Nora geht ohne Leine bei Fuß. Wir gehen zwischen anderen Prüflingen hin und her. Dann kommt ein Mensch mit Rollator und geht durch die Gruppe. Dann ein zweiter Mensch mit einem Rollstuhl. Danach ein dritter Prüfer, der Hundespielzeug über den Platz wirft. Die Hunde müssen die gesamte Zeit bei Fuß gehen.


Es geht hauptsächlich darum, dass wir unseren Hund sehr genau kennenlernen. Deshalb gab es sehr viel Theorie am Beginn der Ausbildung. Im Praxisteil lernen wir, wie man die Prüfungsaufgaben beibringt. Es geht natürlich darum, dass der Hund bestenfalls macht, was wir wollen.

Welchen Sinn hat das?

In unserer Einrichtung leben Menschen, die starke kognitive Einschränkungen haben. Eine ältere Dame hielt Nora eine Tablette hin. Als ich ihr sagte, dass es eine Tablette ich, meinte sie, dass es ein Bonbon ist. Andere geben Nora Kekse, Brot oder Chips. Sie meinen es nicht böse und wollen Nora Gutes tun. Deshalb lernt Nora beispielsweise, Nahrung zu nehmen, wenn ich es ihr sage. Sie darf sie nicht nehmen, wenn ich es nicht erlaube.
Die Bewohner bekommen von mir Leckerli, die Nora nehmen darf.

Was kostet ein Therapiebegleithund?

Es ist nicht leicht, einen Therapiehund in einem Altenpflegeheim einzuführen. Die Kosten für Nora werden beispielsweise nicht von den Pflegekassen übernommen.

In einem Fachartikel habe ich eine Beispielrechnung entdeckt. Man ging davon aus, dass der wöchentlichen Zeitaufwand für den Halter etwa 15 Stunden beträgt und ca. 25.000,- € zusammenkommen.  Ich habe mal für uns nachgerechnet.
In meinen Fall würden in einem Jahr ca. 18000 Euro Kosten anfallen, wenn man den Zeitaufwand für mich bezahlen und man 15 Stunden in der Woche rechnen würde. Nora und ich waren 21 Monate in Ausbildung. Das sind ungefähr 84 Wochen x 15 Stunden Zeitaufwand. Das macht 1260 Stunden = 28980 Euro nur für die Ausbildung.
Mein Arbeitgeber bezahlte die Ausbildung und auch meine Arbeitszeit, da ich Nora in meiner Arbeitszeit auch trainiere und sie in der Einrichtung einsetze.

Was bewirkt ein Therapiehund?
Forschungsergebnisse

  • Der Hund ist eine willkommene Ablenkung und hilft gegen Langeweile
  • Wer einen Hund streichelt, spürt eine beruhigende Wirkung und eine reduzierte Stressreaktion des Körpers.
  • Blutdruck kann durch ein paar Minuten Beschäftigung mit einem Hund signifikant sinken.
  • Der Spiegel der Stresshormone sinkt
  • der Spiegel des Endorphins steigt durch den Kontakt, man fühlt sich besser.
  • Der Cortisol-Spiegel sinkt, ein Beleg für die positive Wirkung
  • Allerding sinkt der Cortisol-Spiegel beim Hund nicht. Ein Beleg dafür, dass Besuche für den Hund Stress bedeuten.
  • „Um optimale Auswirkungen auf die Gesundheit zu erzielen, empfehlen Wissenschaftler, die Besuche von Therapiehunden auf 10 bis 15 Minuten zu beschränken.“
  • Was mir persönlich auffällt ist, dass Nora keinen Wert auf die Geschichte der Bewohner legt, nicht auf die Kleidung schaut, nicht darauf, ob jemand arm oder reich ist, schlau oder dumm, gelähmt oder körperlich fitt ist, sprechen kann oder nicht. Auch Gerüche sind ihr eher egal, evtl. machen Gerüche, die uns stören, den Menschen für Nora interessant.
  • Ein Beispiel: wir hatten einen Bewohner, ca. 55 Jahre alt, der schwer eingeschränkt war. Rollstuhlpflichtig, beinamputiert und eher ungepflegt. Unser Geschäftsführer erzählt mir, dass er früher ein ortsbekannter Schläger und Alkoholiker war und sich und andere nicht „geschont“ hat. Auf mich macht so eine Geschichte Eindruck. Nora war das egal, sie mochte ihn, weil er ihr gegenüber immer freundlich war. Die Krümel vom Frühstück, die im Rollstuhl lagen, fand sie toll.
  • Für mich ist das fast die wichtigste Wirkung, die Nora auslöst. Die Bewohner können sich sicher sein, dass Nora sie mag, wenn sie zu ihnen geht. Menschen können sie nicht immer trauen, wenn sie sie anlachen. Der Psychologe lächelt vielleicht nur, weil er bezahlt wird. Bei einem Hund wird man nicht so denken.
  • Dennoch glaube ich, dass diese Wirkung auf mich übertragen wird. Also, dass die Bewohner auch von mir denken, dass mir all das egal ist und ich sie mag, wie sie sind.
  • Im Vergleich zu den Besuchshunden vom ASB, die einmal im Monat ins Haus kommen, ist Nora jeden Tag da. Die Besuchshunde sind toll und verbreiten viel Freude, aber sie haben in unserem Haus eine fast unlösbare Aufgabe. Wir haben ca. 165 Bewohner auf vier Wohnbereichen, die sich über 7 Etagen verteilen. Der ASB kommt eine Stunde. Sie können sich vorstellen, wie viel Zeit für einen Bewohner bleibt.
  • Nora wird von einigen Bewohnern sogar gezielt aufgesucht. Sie gehört zum Haus dazu.
  • Aber Nora hat nicht nur eine Wirkung auf Bewohner. Mittlerweile freuen sich etliche Mitarbeiter, wenn sie auf Nora zufällig treffen.
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